BundeslebensmittelschlüsselLebensmittelkunde

Der BLS-Code erklärt: Wie Deutschlands 7-stellige Lebensmittel-ID aufgebaut ist

Jedes Lebensmittel im Bundeslebensmittelschlüssel trägt einen 7-stelligen Code wie C131000. Was die Ziffern bedeuten, welche Hauptgruppen es gibt und wie du den Code liest.

Wer schon einmal eine Rezept-App oder ein Ernährungsberatungsprogramm unter der Haube gesehen hat, ist ihm begegnet: C131000, M101000, G310000. Sieben Zeichen, ein Buchstabe und sechs Ziffern. Das ist der BLS-Code – der eindeutige Schlüssel, unter dem jedes Lebensmittel im Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) geführt wird.

Der Code sieht zunächst kryptisch aus, ist aber ein lesbares System. Wer ihn kennt, kann aus sieben Zeichen erkennen, ob es sich um rohes Gemüse, gegartes Fleisch oder ein Backwerk handelt – und wie ähnlich zwei Lebensmittel einander sind. Dieser Artikel nimmt den Code auseinander.


Die Grundstruktur: ein Buchstabe plus sechs Ziffern

Buchstabe – Hauptgruppe · 6 Ziffern – Unterkategorie, Varietät, Verarbeitung

C 1 3 1 0 0 0

Der Buchstabe am Anfang ordnet jedes Lebensmittel einer von 20 Hauptgruppen zu. Jede Hauptgruppe ist thematisch zusammengefasst – Getreideprodukte, Gemüse, Fleisch, Süßwaren. Innerhalb einer Gruppe schreiten die sechs Ziffern von grob zu fein: Obergruppe, Untergruppe, Sorte, Verarbeitungsart, Zubereitungsstufe.

Zwei Lebensmittel, deren Codes in den ersten Stellen übereinstimmen, sind einander in der Regel auch ernährungsphysiologisch sehr ähnlich. C131000 (Hafer, ganzes Korn, roh) und C131100 (gleicher Stamm) unterscheiden sich zum Beispiel nur in der Verarbeitung – die Rohstoffbasis ist dieselbe.


Die 20 Hauptgruppen: der erste Buchstabe

Der BLS verwendet keine reine A–Z-Folge: Einige Buchstaben sind frei gelassen, andere wurden historisch gewechselt. In der aktuellen Fassung sind 20 Buchstaben belegt.

CodeHauptgruppeTypische Einträge
BBrot & KleingebäckRoggenbrot, Brötchen, Brezeln, Knäckebrot
CCerealien, Getreide & Reis-/HaferdrinksHaferflocken, Reis, Nudeln, Müsli
DDauerbackwaren, Kuchen & FeinbackwarenKekse, Torten, Zwieback
EEier, Eierprodukte & TeigwarenHühnerei, Nudelteig, Spätzle
FFrüchte, Obst & ObsterzeugnisseApfel, Beeren, Bananen, Konfitüre
GGemüse & GemüseerzeugnisseTomate, Paprika, Gurke, Sauerkraut
HHülsenfrüchte, Schalenobst & SamenLinsen, Erbsen, Walnüsse, Chiasamen
KKartoffeln, Pilze & stärkereiche PflanzenteileKartoffel, Champignon, Süßkartoffel
MMilch, Milcherzeugnisse & KäseVollmilch, Joghurt, Quark, Gouda
NAlkoholfreie GetränkeSaft, Wasser, Limonade, Kaffee
PAlkoholische GetränkeBier, Wein, Spirituosen, Likör
QSpeisefette & ÖleOlivenöl, Butter, Margarine, Schmalz
RWürzmittel, Saucen & KochzutatenSalz, Senf, Mayonnaise, Brühe
SSüßwaren, Zucker & SchokoladeSchokolade, Bonbons, Marmelade, Honig
TFische, Krusten- & WeichtiereLachs, Forelle, Garnelen, Muscheln
URind-, Kalb-, Schweine- & LammfleischRinderfilet, Schnitzel, Lammkotelett
VWild, Geflügel & InnereienHähnchenbrust, Reh, Leber, Pute
WFleisch- & WurstwarenSalami, Leberwurst, Schinken, Kabanossi
XMenükomponenten überwiegend pflanzlichGemüsepfanne, Kartoffelsalat, Risotto
YMenükomponenten überwiegend tierischLasagne, Fleischsuppe, Gulasch

Die Zuordnung ist manchmal nicht intuitiv: Eine Cornflakes-Packung mit Schokostückchen liegt in C (Cerealien), nicht in S (Süßwaren). Ein Apfelmus zählt zu F (Früchte), obwohl es süß schmeckt. Entscheidend ist das Hauptmerkmal des Lebensmittels, nicht die Geschmacksrichtung.

Die Hauptgruppe verrät oft schon eine grobe Nährwert-Signatur: Q (Fette) ist fast immer reich an Kalorien und Fettsäuren, G (Gemüse) typischerweise energiearm und ballaststoffreich, U/V (Fleisch) protein- und vitaminreich bei moderatem Fettgehalt.


Die sechs Ziffern: vom Groben zum Feinen

Die sechs Ziffern hinter dem Buchstaben folgen einer hierarchischen Logik. Je weiter links eine Ziffer steht, desto gröber ist das Merkmal, das sie abbildet.

Beispiel C131000 – Hafer, ganzes Korn, roh

C 1 3 1 0 0 0

  • C – Cerealien, Getreide
  • 1 – Getreidekörner
  • 3 – Hafer
  • 1 – Ganzes Korn
  • 0 – Rohzustand
  • 00 – Keine weitere Differenzierung

Die Lesart ist nicht starr – je nach Hauptgruppe variiert die Bedeutung der einzelnen Ziffern leicht. Das Grundprinzip bleibt aber: Je mehr Ziffern zweier Codes übereinstimmen, desto ähnlicher die Lebensmittel.

Ein Beispiel aus der Gruppe M (Milch und Milcherzeugnisse):

BLS-CodeLebensmittelFettKalorien
M101000Kuhmilch, Vollfettstufe (3,5 %)3,5 g65 kcal
M101100Kuhmilch, teilentrahmt (1,5 %)1,5 g47 kcal
M101200Kuhmilch, entrahmt (0,3 %)0,3 g34 kcal

Alle drei Codes teilen sich M1010 – die ersten vier Stellen. Die fünfte Stelle kodiert den Fettgehalt. Die letzten beiden Ziffern bleiben 00, weil innerhalb dieser Verarbeitungsstufe keine weitere Unterscheidung nötig ist. Werte wie Lactose, Calcium oder Vitamin B2 sind über alle drei Varianten nahezu identisch – nur Fett und Energie unterscheiden sich.


Wie Verarbeitungsstufen kodiert werden

Ein Aspekt, den der BLS-Code besonders konsequent abbildet: die Verarbeitung. Ein und derselbe Rohstoff kommt in der Datenbank in mehreren Varianten vor – roh, gegart, gedünstet, gebraten, getrocknet. Das ist relevant, weil sich Wassergehalt, Energiedichte und manche Vitamine bei der Zubereitung stark verändern.

BLS-CodeLebensmittelWasserKalorien
K100000Kartoffel, roh78 %70 kcal
K100100Kartoffel, gegart (gekocht)77 %69 kcal
K100200Kartoffel, gebacken73 %85 kcal
K100300Pommes frites, frittiert38 %290 kcal

Die Werte in der Tabelle sind illustrativ gerundet – die genauen BLS-Zahlen findest du in unserer Lebensmitteldatenbank. Entscheidend ist das Muster: Rohe und gekochte Kartoffel unterscheiden sich kaum, weil beim Kochen nur Wasser aufgenommen und kaum verändert wird. Beim Backen verdunstet Wasser – die Energiedichte steigt. Beim Frittieren kommen Öl und Hitze dazu – die Kalorien pro 100 g vervierfachen sich.

Merksatz für Rezepte:

Wenn du im Rezeptrechner Zutaten einträgst, überlege, in welchem Zustand sie im Rezept landen. 200 g rohe Nudeln sind etwas anderes als 200 g gekochte Nudeln – die Differenz liegt im Wasser. Die allermeisten Rezeptangaben meinen den Rohzustand (also den Code ohne "gegart"-Variante), aber Ausnahmen gibt es.


Die Hauptgruppen X (pflanzliche Menükomponenten) und Y (tierische Menükomponenten) sind ein Sonderfall. Während alle anderen Gruppen einzelne Rohstoffe oder einfach verarbeitete Lebensmittel enthalten, stehen hier zusammengesetzte Gerichte: Kartoffelsalat, Risotto, Lasagne, Gulasch.

Die Werte für diese Einträge sind nicht gemessen, sondern aus Rezepturen berechnet. Der BLS geht dabei von Standardrezepten aus (veröffentlicht als Teil der offiziellen Dokumentation). Wenn dein eigenes Gulasch-Rezept stark davon abweicht, wirst du auch abweichende Nährwerte berechnen – und das ist der Moment, an dem der Rezeptrechner sinnvoller ist als der generische Y-Eintrag.


Wofür der BLS-Code in der Praxis nützt

1. Präzise Referenzen in Dokumenten. Wer ein Etikett, eine Speiseplan-Analyse oder eine Ernährungsberatung schriftlich belegt, kann sich auf den Code berufen. "M101000 laut BLS 4.0" ist eindeutiger als "Vollmilch laut einer Quelle im Netz".

2. Automatische Verarbeitung. In Software bildet der Code den Primärschlüssel. Jede Datenbank, die BLS-Daten einbindet, identifiziert Lebensmittel über den Code – nicht über den Namen. Das ist robust gegen Rechtschreibvarianten (Joghurt vs. Yogurt vs. Jogurt).

3. Verwandtschaften finden. Wenn ein Rezept H300100 (Linsen, rot, roh) enthält, du aber nur H300200 (Linsen, grün, roh) im Vorrat hast, verrät der gemeinsame Präfix H300: sehr ähnliche Makronährwerte, gute Austauschbasis.

4. Lücken schließen. Wenn ein Hersteller ein neues Produkt hat, das noch keinen BLS-Code hat, wird häufig der "nächste Nachbar" im Codebaum als Referenz gewählt. Das erleichtert Reformulierung und Nährwertkennzeichnung ohne Laboranalyse.


Den Code in der Lebensmitteldatenbank nutzen

Auf Homnom findest du den BLS-Code auf jeder Detailseite – er steht direkt unter dem Lebensmittelnamen. Alternativ kannst du eine Hauptgruppe komplett durchblättern:

Alle Lebensmittel einer Hauptgruppe auf einen Blick
Die Kategorie-Ansicht listet jede Hauptgruppe separat – von Brot (B) bis tierischen Menükomponenten (Y). Praktisch, um schnell durch alle 120 Gemüseeinträge oder alle 180 Fischprodukte zu blättern.

Wenn du den Code eines bestimmten Lebensmittels suchst, gib einfach den Namen in die Suche der Lebensmitteldatenbank ein – der Code steht immer auf der Detailseite.


Häufige Fragen

Warum sind manche Buchstaben übersprungen (A, I, J, L, O, Z)?

Historische Gründe. In frühen BLS-Versionen waren einige Gruppen anders zugeordnet; andere Buchstaben wurden bewusst freigelassen, um Verwechslungen mit Ziffern (I mit 1, O mit 0) zu vermeiden. A und Z sind reserviert für mögliche künftige Gruppen.

Kann derselbe BLS-Code in verschiedenen Versionen unterschiedlich belegt sein?

Ja, das ist vorgekommen – wenn auch selten. Beim Sprung von BLS 3.02 auf 4.0 wurden einige Codes neu vergeben oder verschoben. Wer Daten aus älteren Beratungsprogrammen übernimmt, sollte die Zuordnungstabelle des MRI konsultieren.

Gibt es Lebensmittel mit weniger als sieben Zeichen?

Nein. Der BLS-Code ist immer exakt sieben Zeichen lang: ein Buchstabe plus sechs Ziffern. Stellen, für die keine feinere Unterscheidung existiert, werden mit 0 aufgefüllt.

Wo finde ich den Code für ein Markenprodukt wie "Nutella" oder "Coca-Cola"?

Gar nicht. Der BLS führt nur generische Lebensmittel – also zum Beispiel S231000 (Haselnuss-Nougat-Creme) oder N311000 (Cola-Getränk). Markenproduktabweichungen werden nicht erfasst. Für eigene Rezepturen kannst du im Rezeptrechner eine benutzerdefinierte Zutat auf Basis von BLS-Werten anlegen.

Kann ich einen Code selbst rekonstruieren, ohne ihn nachzuschlagen?

In der Theorie ja – wenn du die interne Codierungslogik jeder Hauptgruppe kennst. In der Praxis: besser nachschlagen. Der BLS ist kein perfekt reguläres System, und Ausnahmen sind häufiger, als man erwarten würde.


Fazit

Der BLS-Code ist kein willkürlicher Zufallsschlüssel, sondern eine kompakte Taxonomie. Ein Buchstabe verrät die Hauptgruppe, sechs Ziffern beschreiben Untergruppe, Sorte und Verarbeitungszustand. Wer einmal verstanden hat, dass M101000, M101100 und M101200 drei Fettstufen derselben Vollmilch sind, kann durch die Datenbank navigieren, statt sich durchzuklicken.


Weiterführende Artikel

Quelle: Max Rubner-Institut (MRI), Bundeslebensmittelschlüssel 4.0, Dezember 2025. Kategoriezuordnung entsprechend der BLS-Codesystematik (Kapitel 2.4 der offiziellen Dokumentation).