BundeslebensmittelschlüsselErnährung

Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) erklärt: Deutschlands offizielle Nährwertdatenbank 2026

Was ist der Bundeslebensmittelschlüssel, wie funktioniert er und wofür wird er gebraucht? Der Einsteiger-Guide zur offiziellen deutschen Lebensmitteldatenbank des Max-Rubner-Instituts – mit Praxisbeispielen und Tools.

Jede App, die dir in Deutschland sagt, wie viele Kalorien in 100 g Haferflocken stecken, greift früher oder später auf dieselbe Datenquelle zurück: den Bundeslebensmittelschlüssel, kurz BLS. Er ist die offizielle Nährwertdatenbank des Bundes, gepflegt vom Max-Rubner-Institut, und seit Ende 2025 in der komplett überarbeiteten Version 4.0 verfügbar.

Dieser Artikel erklärt, was der BLS ist, wie er aufgebaut ist und wofür du ihn brauchst – egal ob du nur wissen willst, wie viel Eisen in deinen Linsen steckt, oder ein LMIV-Etikett für deinen Hofladen drucken möchtest. Jeder Abschnitt verweist auf einen vertiefenden Artikel der Serie, in dem du das Thema im Detail nachlesen kannst.


Was ist der BLS in einem Satz?

Der BLS ist eine Tabelle mit 7.140 Lebensmitteln, für die jeweils 138 Nährwerte bekannt sind – von Energie und Protein bis zu einzelnen Fettsäuren, Aminosäuren, Vitaminen und Spurenelementen. Alle Werte beziehen sich auf 100 g verzehrbaren Anteil, also das, was nach Entfernen von Schale, Knochen oder Gräten übrig bleibt.

7.140

Lebensmittel

138

Nährwerte pro Lebensmittel

12

Nährstoffgruppen

13

Herkunftskategorien

Der BLS ist damit deutlich umfangreicher als die meisten Nährwerttabellen, die im Supermarktregal oder auf Produktverpackungen zu finden sind – und genau dort liegt sein Wert: Er kennt nicht nur Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, sondern auch Laurinsäure, Leucin, β-Carotin, Molybdän und die Unterschiede zwischen löslichen und unlöslichen Ballaststoffen.


Kurze Geschichte: Von BLS 1 bis 4.0

Der BLS wurde 1988 erstmals veröffentlicht – damals als interne Referenz für die Nationale Verzehrsstudie. Ziel: Für jede in Deutschland übliche Mahlzeit die Nährstoffzufuhr berechnen zu können, ohne jedes Mal ein Labor zu beauftragen.

VersionJahrNeuerung
BLS I / II1988 – 1999Erste Tabellenform, rund 70 Nährwerte
BLS 3.0 / 3.01 / 3.022005 – 2021Ausbau auf ca. 10.000 Lebensmittel, 136 Nährwerte
BLS 4.0Dezember 2025Komplett neu gerechnet, Datenherkunft für jeden Wert, 138 Nährwerte, offene Lizenz

Das Wichtigste am Sprung auf 4.0: Für jede einzelne Zahl ist seit 2025 nachvollziehbar, woher sie stammt – aus einer Laboranalyse, aus einer Rezeptberechnung, aus einem Produktetikett, aus einer wissenschaftlichen Publikation oder aus einer logischen Schlussfolgerung. Wer mit BLS-Daten arbeitet, kann damit zum ersten Mal sauber zwischen "gemessen" und "geschätzt" unterscheiden. Die 13 Herkunftskategorien erklären wir in einem eigenen Artikel.

Hinweis zur Lizenz

Ältere BLS-Versionen waren kostenpflichtig und mit restriktiven Nutzungsbedingungen verbunden. Seit Version 4.0 steht der BLS unter einer offenen Lizenz und kann kostenlos heruntergeladen und in eigene Anwendungen integriert werden – inklusive kommerzieller Nutzung.


Wer benutzt den BLS?

Der BLS ist kein Produkt für eine einzelne Zielgruppe. Er steckt unter der Haube von ganz unterschiedlichen Anwendungen:

Forschung & Behörden

Verzehrsstudien, Ernährungsberichte, Empfehlungen der DGE, Risikobewertung durch das BfR.

Ernährungsberatung

Beratungssoftware für Praxen, Kliniken und Ernährungsberater:innen – dort, wo die Kasse die Kosten trägt.

Apps & Websites

Rezeptportale, Kalorien-Tracker, Wochenplaner. Homnom gehört in diese Kategorie.

Lebensmittelindustrie

LMIV-konforme Nährwertkennzeichnung ohne Laboranalyse, Reformulierung von Rezepturen, Nutri-Score-Berechnung.

Kantinen & Gemeinschaftsverpflegung

Speisepläne für Kitas, Schulen, Krankenhäuser – mit Nährstoffzielen und Allergenübersicht.

Bildung

Hauswirtschaftsunterricht, Ökotrophologie-Studium, Diätassistenz-Ausbildung.

Der gemeinsame Nenner: Wer mit Nährwerten arbeitet und in Deutschland verstanden werden möchte, kommt am BLS nicht vorbei. Konkurrenzdatenbanken existieren, aber keine hat dieselbe Autorität als offizielle Quelle gegenüber Behörden und Kassen.


Wie ist der BLS aufgebaut?

Drei Dinge muss man kennen, um den BLS lesen zu können: den Code, die Nährstoffgruppen und die Herkunftsangaben.

1. Der BLS-Code: ein Buchstabe plus sechs Ziffern

Jedes Lebensmittel hat einen eindeutigen siebenstelligen Code. Der erste Buchstabe markiert die Hauptgruppe – etwa B für Brot, C für Getreide, F für Obst, G für Gemüse, M für Milchprodukte, U für Fleisch. Die sechs Ziffern dahinter beschreiben Untergruppe, Varietät und Verarbeitungszustand.

C 1 3 1 0 0 0

= Hafer, ganzes Korn, roh

Der Code ist damit keine Zufallsnummer, sondern eine Mini-Taxonomie: Zwei Lebensmittel mit ähnlichem Code sind einander in der Regel auch ernährungsphysiologisch ähnlich. Wir nehmen den Code in einem eigenen Artikel auseinander: Der BLS-Code erklärt →

2. Die 12 Nährstoffgruppen

Die 138 Nährwerte sind in 12 Gruppen organisiert. In absteigender Reihenfolge der Sichtbarkeit auf einem Etikett:

GruppeWerteWas drinsteckt
Energie2kJ und kcal
Hauptnährstoffe9Wasser, Protein, Fett, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Alkohol, Asche, Polyole, organische Säuren
Kohlenhydrate im Detail11Einfachzucker, Mehrfachzucker, Stärke, Zuckersummen
Ballaststoffe6Löslich, unlöslich, hoch-/niedermolekular
Fettsäuren36Gesättigte, einfach ungesättigte, mehrfach ungesättigte – inklusive Omega-3-Einzelwerten wie EPA und DHA
Aminosäuren199 essenzielle, 9 nicht-essenzielle plus die Summe AAE9
Fettlösliche Vitamine17A (3 Formen), D (2), E (5), K (2) und Vorstufen
Wasserlösliche Vitamine12B-Komplex, C, Folat
Mineralstoffe & Spurenelemente16Na, K, Ca, Mg, P, S, Fe, Zn, I, Cu, Mn, F, Cr, Mo u. a.
Organische Säuren5Essig-, Zitronen-, Milch-, Äpfel-, Weinsäure
Zuckeralkohole3Mannit, Sorbit, Xylit
Sonstige2Cholesterin, Gesamtstickstoff

Jede dieser Gruppen ist eine Welt für sich. Wir gehen sie im weiteren Verlauf der Serie einzeln durch: Makronährstoffe, Fettsäuren, Aminosäuren, Kohlenhydrate & Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Energie.

3. Die Datenherkunft

In BLS 4.0 trägt jeder einzelne Wert eine Herkunftsangabe: Analyse, Rezeptberechnung, Musterschätzung, Literatur, Etikettdaten, Datenbanktransfer, Reskalierung, Logische Null, Logische Annahme, Spuren, Formelberechnung und ein paar weitere. Wer die Tabelle in einem Tool lädt, sieht damit nicht nur den Wert "7,6 g Eiweiß", sondern auch: gemessen oder aus einem Rezept gerechnet? Aus einer DGE-Quelle oder einem Herstelleretikett?

Diese Ebene trennt den BLS ab 4.0 klar von konkurrierenden Datenbanken. Warum das so viel verändert, erklärt der Artikel Wie verlässlich sind BLS-Nährwerte?.


Wie unterscheidet sich der BLS von anderen Nährwerttabellen?

Wenn du nach "Kalorien Haferflocken" googelst, bekommst du Dutzende Treffer mit leicht unterschiedlichen Zahlen. Das liegt nicht an Messfehlern, sondern an verschiedenen Quelldatenbanken. Die vier wichtigsten:

DatenbankHerkunftStärkeSchwäche
BLS 4.0Max-Rubner-Institut (DE)Offizielle Referenz in Deutschland, 138 Nährwerte, Herkunft dokumentiertKeine Markenprodukte, nur Grundzutaten
Souci-Fachmann-Krautmedpharm-Verlag (DE)Historisch älteste deutsche Tabelle, wissenschaftlich renommiertKostenpflichtig, weniger Einträge, langsamere Updates
FNDDS / USDAUS-LandwirtschaftsministeriumSehr groß, frei verfügbar, enthält FertiggerichteUS-amerikanischer Lebensmittelmarkt, andere Sortenprofile
FDDB / Yazio / MyFitnessPalCommunity-EinträgeMarkenprodukte und Restaurantgerichte abgedecktDatenqualität schwankt stark, oft Tippfehler

Faustregel: Für Grundzutaten (Gemüse, Fleisch, Getreide, Milchprodukte) ist der BLS erste Wahl. Für Markenprodukte sind die Angaben auf der Verpackung oder Community-Datenbanken praktischer. Der BLS selbst unterscheidet zum Beispiel nicht zwischen "Koelln Haferflocken" und "ALDI Haferflocken" – er kennt nur "Haferflocken, Vollkorn".


BLS in der Praxis: die vier Werkzeuge auf Homnom

Die Rohdatei des BLS ist eine CSV mit 418 Spalten und deutschen Nährstoffkürzeln wie GCAL, FAT, VITB1. Das ist für die direkte Arbeit wenig geeignet. Wir haben vier Oberflächen gebaut, die den BLS anfassbar machen:

Typische Pfade durch diese Werkzeuge:

  • "Wie viel Eisen hat eine Portion Linsen?" → Lebensmitteldatenbank, Portionsgröße eingeben, Wert ablesen.
  • "Welche pflanzliche Quelle liefert am meisten Lysin?" → Vergleich mit fünf Kandidaten öffnen, Aminosäure-Zeile sortieren.
  • "Was steckt in meinem Granola-Rezept?" → Rezeptrechner, Zutaten hinzufügen, Gesamtwerte sehen. Für alles Weitere: Rezepte mit BLS-Daten berechnen →
  • "Ich muss ein Etikett für meine Marmelade drucken." → Rezeptrechner als Basis, dann Werte in den Nährwert-Etikett-Editor übergeben.

Häufige Fragen

Ist der BLS kostenlos?

Ja. Die Rohdatei BLS 4.0 steht unter einer offenen Lizenz beim Max-Rubner-Institut zum Download bereit. Kommerzielle Nutzung ist erlaubt, solange die Quelle genannt wird. Alle Tools auf Homnom sind ebenfalls kostenlos.

Wie oft wird der BLS aktualisiert?

Major-Versionen erscheinen alle 5 bis 15 Jahre – der Sprung von 3.02 auf 4.0 hat rund 20 Jahre gedauert. Kleinere Korrekturen werden in Punktversionen nachgeliefert, zuletzt mehrmals im Jahr 2026.

Enthält der BLS Markenprodukte wie "Nutella" oder "Bifi Roll"?

Nein. Der BLS beschreibt nur generische Lebensmittel wie "Haselnuss-Nougat-Creme" oder "Kabanossi". Für Markenprodukte sind die Angaben auf der Packung maßgeblich – oder Community-Datenbanken wie FDDB. Wer selbst produziert, kann umgekehrt mit BLS-Daten und unserem Rezeptrechner ein vollwertiges Nährwertprofil für das eigene Produkt rechnen, ohne ein Labor zu beauftragen.

Reichen BLS-Werte für ein LMIV-Etikett?

In den meisten Fällen ja – insbesondere für Kleinbetriebe. Die LMIV (Verordnung 1169/2011) erlaubt explizit die Nutzung allgemein anerkannter Nährwertdaten wie des BLS. Nur bei nachweislich abweichender Rezeptur (z. B. ungewöhnlich hoher Fett- oder Zuckergehalt) ist eine Laboranalyse zu empfehlen. Details stehen in unserem Leitfaden zur Nährwertdeklaration nach LMIV.

Kann ich eigene Zutaten hinzufügen, die der BLS nicht kennt?

Ja. Im Rezeptrechner kannst du neben BLS-Lebensmitteln auch manuelle Zutaten eintragen, zum Beispiel einen regionalen Saft oder eine Rezeptur aus deiner Produktion. Diese werden lokal gespeichert und können wie BLS-Einträge in Rezepten und Etiketten weiterverwendet werden.

Warum weicht mein eigenes Rezept manchmal deutlich vom Supermarktprodukt ab?

Zwei typische Gründe: Erstens verarbeitet der BLS rohe Grundzutaten, die meisten Etiketten rechnen aber mit dem Endprodukt nach Verarbeitung (Wasserverlust beim Backen, Fettaufnahme beim Braten). Zweitens variieren Rezepturen: Industrielle Tomatensauce enthält oft mehr Salz und Zucker als eine hausgemachte. Beides – Verarbeitung und Rezepturvergleich – behandeln wir in Rezepte mit BLS-Daten berechnen.


Fazit

Der Bundeslebensmittelschlüssel ist das Rückgrat der seriösen Ernährungsdaten in Deutschland. Er ist weder hip noch benutzerfreundlich in der Rohform – aber er ist vollständig, transparent und offiziell. Für jeden, der mehr wissen will als "hat das viele Kalorien?", ist der BLS der Ort, an dem die Frage beantwortet wird.

Die nächsten Artikel dieser Serie gehen in die Tiefe: Wie ist der siebenstellige Code aufgebaut? Wie werden Kilokalorien eigentlich berechnet? Was unterscheidet β-Carotin vom Retinol? Und wie rechnest du aus 12 Zutaten ein vollständiges LMIV-konformes Etikett? Unten findest du die direkte Liste.

Loslegen – ohne ein Datenblatt zu öffnen
Du musst kein Ernährungswissenschaftler sein, um den BLS zu nutzen. Unsere Lebensmitteldatenbank zeigt dir die kompletten Werte jedes Lebensmittels – sortierbar, vergleichbar, und ohne Excel.

Weiterführende Artikel

Quelle: Max Rubner-Institut (MRI), Bundeslebensmittelschlüssel 4.0, Dezember 2025. Die Daten sind unter offener Lizenz frei verfügbar.